Hundefreunde unter sich! Was hier als Doggenforum begonnen hat, steht allen offen, die sich für Hunde interessieren und sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen können!
#1

Logopädin setzt Hund ein

in Der Hund in den Medien 04.06.2010 22:12
von kleines030999 • Really the Best | 4.435 Beiträge

Therapiebegleithund Bonny und Frauchen Karin Klimroth sind ein eingespieltes Team: Die Hündin ist immer dabei, wenn die Logopädin Patienten besucht. „Der Hund motiviert zum Sprechen und erleichtert den Kontaktaufbau“, sagt die Dußlinger Therapeutin für tiergestützte Behandlung.

Dußlingen. Füttern, frisieren oder einfach das Fell kraulen: Kinder, die bei Karin Klimroth in logopädischer Behandlung sind, dürfen mit der braunen Labrador-Hündin Bonny (fast) alles anstellen, wenn diese im „Dienst“ ist. „Sie ist eine Seele von Hund, ich kann mich hundertprozentig auf sie verlassen“, lobt Karin Klimroth ihre kaltschnäuzige Partnerin, die sogar ein eigenes „Arbeitsgeschirr“ mit Namensaufdruck hat. Ob Sonnenbrille auf der Nase oder Krone auf dem Kopf: Wenn es den Patienten gut geht, dann fühlt sich auch Bonny pudelwohl, so Klimroth.

Der Hund ist auch in der Sprachheilkunde ein wichtiges „Hilfsmittel“, sagt die 51-Jährige: „Am Anfang bin ich aber noch belächelt worden, nach dem Motto: Was sucht ein Hund in der Logopädie?“ Mittlerweile habe sich Bonnys Einsatz aber mehr als bewährt: Der Vierbeiner mit dem treuherzigen Dackelblick ist mal Sprechmotivator, mal Entspannungshilfe. Klimroth, die aus Erfurt stammt und seit 2006 in Dußlingen wohnt, ist bei der KBF (Körperbehindertenförderung Neckar-Alb) in Mössingen angestellt; außerdem kommt sie in Pflegeheime und Kindergärten und macht Hausbesuche.

Auf den Hund gekommen ist Klimroth, Mutter von vier Kindern, vor knapp fünf Jahren in Erfurt: Die Logopädin hat sich Bonny extra angeschafft, um sie zum Therapiebegleithund auszubilden. Vor zwei Jahren hat die Labradorhündin dann die Prüfung am Münsteraner Institut für tiergestützte Therapie bestanden. Seitdem arbeitet Klimroth nach der „Steinfurter Therapiebegleithundmethode“; ihren ersten Einsatz hatte sie im integrativen Kindergarten in Hechingen. „Bonny ist kein Besuchs- oder Kuschelhund, durch ihre spezielle Ausbildung unterstützt sie mich auch fachlich und hilft, die spezifischen logopädisch-therapeutischen Ziele qualitativ zu verbessern, zu erweitern und zu vertiefen“, erklärt Klimroth. Sie bemängelt, dass es auf diesem Gebiet „sehr viele schwarze Schafe gibt, die Hunde ohne ausreichende Ausbildung zu Therapiezwecken einsetzen“.

Die Logopädin erzählt von einem Jungen, der an ADHS leidet (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung), umgangssprachlich auch „Zappelphilipp-Syndrom“ genannt: „In Bonnys Gegenwart wird er ruhig und nimmt auf sie Rücksicht“, erzählt die Dußlingerin. Die Konzentrationsfähigkeit wird gefördert – etwa, wenn Mundmotorikübungen zur Verbesserung der Lautbildung gemacht werden. Der Hund wird dabei spielerisch ins Therapiegeschehen eingebunden: Die Kinder saugen zum Beispiel Leckerlis mit dem Strohhalm an und geben sie dann vorsichtig an den Vierbeiner weiter. Auch wenn die Kinder Bonny Befehle geben, wird korrektes Sprechen wie selbstverständlich „nebenbei“ eingeübt, ebenso in Rollenspielen.

Aber nicht nur Kinder therapiert die 51-Jährige, sondern Personen aller Altersgruppen mit den verschiedensten Erkrankungen und Störungsbildern – vom Demenzkranken mit Sprachproblemen bis hin zum Stotterer. „Die Patienten sind viel motivierter, wenn Bonny dabei ist“, sagt Karin Klimroth. Das „Therapiemitttel Hund“ habe einen hohen Aufforderungscharakter und rege dazu an, sich mit der Umwelt und mit sich selbst auseinander zu setzen. Ein weiteres Plus laut der Sprachtherapeutin: „Bei der Arbeit mit dem Hund steht nicht das Problem des Klienten, ob er nun krank, gesund oder verhaltensauffällig ist, im Vordergrund. Zentral ist vielmehr die Beschäftigung mit dem Hund, dadurch wird bei den Behandelten auch das eigene Störungsbewusstsein abgeschwächt.“

Des öfteren hat Karin Klimroth bereits erlebt, dass Patienten erst dann neuen Lebensmut fassen, wenn sie Bonny mit ins „Spiel“ bringt: „Hunde erreichen Menschen einfach auf einer ganz anderen Ebene“, ist Klimroth überzeugt. Die Logopädin berichtet von einem Patienten aus Kusterdingen, der sich nach einem Fahrradunfall mit Schädelhirntrauma aufgegeben hatte – und aufblühte, als die Therapie mit Hund begann. Der Mann, der anfangs kaum schlucken und keine feste Nahrung zu sich nehmen konnte, könne dank erfolgreicher Kräftigung von Zungen- und Gesichtsmuskulatur mittlerweile wieder passierte Nahrung essen, außerdem habe sich sein Sprachverständnis enorm verbessert. „Ei“ und „Bonny“ hätten zu den ersten Worten gehört, die er nach dem Unfall gesprochen habe, freut sich Klimroth über die Fortschritte ihres Patienten.

Auch Menschen mit Behinderung können in besonderer Weise von einer Therapie mit Hund profitieren, sagt die Dußlinger Logopädin; in dem Fall ist der Körperkontakt mit dem Tier besonders wichtig. Bei einem jungen Mann mit Spastik lagere sie Bonny ganz dicht neben ihm – auch schon mal auf dem Rollstuhltisch: „Bonnys gleichmäßiges Atmen hilft, die Muskulatur zu lockern.“ Zudem setze die Labrador-Hündin auf Anweisung die Zunge zur Hand- und Fußmassage ein – das Abschlecken ist ein intensiver Reiz, der Spannungen der Skelettmuskulatur ebenfalls lockert, erklärt Klimroth. Zu dem Zweck werde auch schon mal Streichwurst hinters Ohr geschmiert. Ein anderer Patient leide an einer neurologischen Störung, bei der eine Körperhälfte nicht wahrgenommen werde; Bonny könne zur Besserung des Beschwerdebildes beitragen, indem sie eben genau auf dieser „fehlenden“ Seite platziert werde.

Wenn Bonny die Hundeschnauze dann mal voll hat, kann sie sich zum Ausruhen jederzeit in eine Ecke zurückziehen. „Natürlich darf der Hund nicht instrumentalisiert werden, man muss auch sehr auf die Belastbarkeit des Tieres achten“; das ist Karin Klimroth wichtig. Neun Welpen hat Bonny vor kurzem bekommen, alle sind bereits vermittelt: „Es wäre schön, wenn möglichst viele später Therapiebegleithunde würden“, sagt die Logopädin. Immerhin: Eine Kollegin möchte ihren Welpen einmal in der Physiotherapie einsetzen, eine Pädagogin würde gerne mit Hund in der Schule arbeiten, erzählt Klimroth zufrieden.

Quelle


Liebe Grüße, Pia mit Astra, Merlin und Abebi, Paul, Moco und besonders Rüdiger für immer in unseren Herzen...







nach oben springen

Image Hosted by ImageShack.us Kostenloser Suchmaschineneintrag
Besucher
0 Mitglieder und 3 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: skyhessen
Forum Statistiken
Das Forum hat 3364 Themen und 31601 Beiträge.

Heute waren 0 Mitglieder Online:


Besucherrekord: 129 Benutzer (29.01.2010 20:30).