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Schüßler-Salze

in Krankheiten beim Hund 22.08.2009 11:44
von Angela • Really the Best | 1.293 Beiträge

Schüßler-Salze

Schüßler-Salze sind eine alternativmedizinische Therapieform, deren angenommener Wirkmechanismus mit dem allgemein anerkannten Wissensstand von Medizin und Physiologie nicht in Einklang zu bringen ist. Die Wirksamkeit der Schüßler-Salze ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.


Schüßler-Salze (Pastillen)

Übersicht
Der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) veröffentlichte in der „Allgemeinen Homöopathischen Zeitung“ im Jahre 1873 einen Artikel mit der Bezeichnung „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“, in dem er eine Therapieform namens „Biochemische Heilweise“ vorstellte. Seine Abkürzung bestand darin, dass er statt der ca. 1000 Mittel in der Homöopathie nur 12 Salze, „Schüßler-Salze“ genannt, zur Therapie von fast allen Krankheiten für ausreichend hielt.

Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten auf der Grundlage gestörter biochemischer Prozesse entstehen. Er nahm an, dass Krankheiten zu einem großen Teil auf der Grundlage eines „gestörten Mineralhaushaltes“ entstehen, wobei das Fehlen eines bestimmten Minerals den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigt.

Schüßler erklärte, dass sein Heilverfahren „kein homöopathisches“ sei, weil es nicht auf dem von Samuel Hahnemann propagierten Simile-Prinzip (Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden) beruhe, sondern auf physiologisch-chemische Vorgänge im menschlichen Organismus zurückzuführen sei. Die Mittel werden aber nach homöopathischer Regel durch Schütteln, Reiben oder Zerkleinern verdünnt und haben entsprechende Verdünnungsbezeichnungen (D1 = 1:10, bzw. die biochemischen Tabletten sind D6 = 1:1.000.000 oder D12 = 1:1.000.000.000.000 verdünnt). Die niedrigen Dosen sollen vom Körper leichter resorbiert werden können.

Die „Biochemie nach Schüßler“ ist hauptsächlich durch Heilpraktiker als Therapieform erhalten geblieben. Sie wird in Fachschulen gelehrt und viele Heilpraktiker arbeiten täglich in der Praxis mit diesen Mitteln. Vor der gesetzlichen Festschreibung der Berufsbezeichnung Heilpraktiker (1939) wurde Schüßlers Lehre wesentlich durch Laienbewegungen verbreitet. Einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Heilweise nach Schüßler leistete Kurt Hickethier, der zwei Kurhäuser zur Behandlung seiner Patienten errichtete.

Der erste „Biochemische Verein“ wurde 1885 in Oldenburg gegründet. Heute (2004) gibt es in Deutschland wieder etwa 70 Biochemische Vereine, weitere im Ausland. Auch heute werden die Schüßler-Salze von interessierten Menschen bei verschiedensten Krankheitsbildern angewendet.

Aufgrund der sehr geringen Mineralstoffmenge, die in den Schüßler-Salzen enthalten ist, kommt die Stiftung Warentest zu dem Urteil: "Biochemie nach Schüßler ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet."[1]. Die Behandlungskostenübernahme durch einige deutsche Krankenkassen ändert nichts daran, dass diese "Therapie" als eine nicht wirksam bewertete Behandlung einzustufen ist.

Die Biochemie nach Schüßler
Wilhelm Heinrich Schüßler distanzierte sich mit seiner Heilweise strikt von der Homöopathie. Es gab zu seinen Lebzeiten viele Auseinandersetzungen mit Homöopathen, die seine Heilweise schon allein wegen ihrer Einfachheit nicht akzeptierten und verächtlich von Düngemitteln sprachen. In seiner abgekürzten Therapie schreibt Schüßler selbst: „Die Grundlage meiner Forschung waren Histologie, die darauf bezügliche Chemie, die anorganischen Bestandteile der Gewebe und die physiologischen Wirkungen oder Funktionen dieser Bestandteile.“ Bei seiner Forschung fand er damals zwölf verschiedene Verbindungen, die im menschlichen Körper vorkommen, die so genannten Schüßler-Salze.

Nach Schüßlers Ansicht verursacht ein pathogener Reiz die Verstärkung der Funktion einer Zelle, da die Zelle bemüht ist, den Reiz abzustoßen. Aufgrund dieser Tätigkeit verliert sie einen Teil ihrer mineralischen Funktionsmittel. Diese Zellen sind dann pathogen verändert, was das Wesen einer Krankheit ist.

Durch die Zufuhr dieser nun fehlenden Mineralstoffe will Schüßler die Krankheiten bekämpfen. Dazu ist die Potenzierung seiner Salze notwendig, um Mängel innerhalb einer Zelle aufzufüllen. Nach seiner Ansicht gelangen die hoch verdünnten „feinstofflichen“ Mineralstoffe, also die einzelnen Moleküle, direkt in das Zellinnere. Die Mängel außerhalb der Zellen sind durch eine nährstoff- und basenreiche Ernährung aufzufüllen, da ein gewisses Gleichgewicht zwischen Zellinnerem und Extrazellulärraum notwendig ist.

Merkmale im Gesicht ließen ihn die verschiedenen fehlenden Mineralstoffe feststellen und so eine entsprechende Dosierung der Salze vornehmen. Kurt Hickethier verbesserte die von Schüßler eingeführte Antlitzanalyse und nannte sie damals Sonnerschau. So ist nach Hickethier z. B. ein Mangel an der Nr. 3 (Ferrum Phosphoricum) u. a. an den inneren Augenwinkeln durch eine dunklere, blauschwarze bis schwarze Färbung zu erkennen. Durch die darauf folgende Einnahme des entsprechenden Mineralstoffs konnte Hickethier nach eigenen Angaben einen Rückgang der antlitzanalytischen Zeichen im Gesicht beobachten.

Praktische Anwendung
Schüßler-Salze sollen als „homöopathisch aufbereitete“, d. h. potenzierte Mittel in Tablettenform angewendet werden, die man dann im Mund langsam zergehen lässt. Die Mineralstoffe werden über die Mundschleimhaut vom Körper aufgenommen.

Für jedes Salz gibt es eine sogenannte Regelpotenz. Für die Salze Nr. 1, 3 und 11 wird in der Regel D12 genommen. Für die übrigen Salze gilt D6 als Regelpotenz.

Die 12 „Funktionsmittel“
1. Calcium fluoratum D12 (Calciumfluorid)
2. Calcium phosphoricum D6 (Calciumphosphat)
3. Ferrum phosphoricum D12 (Eisenphosphat)
4. Kalium chloratum D6 (Kaliumchlorid)
5. Kalium phosphoricum D6 (Kaliumphosphat)
6. Kalium sulfuricum D6 (Kaliumsulfat)
7. Magnesium phosphoricum D6 (Magnesiumphosphat)
8. Natrium chloratum D6 (Natriumchlorid - Kochsalz)
9. Natrium phosphoricum D6 (Natriumphosphat)
10. Natrium sulfuricum D6 (Natriumsulfat)
11. Silicea D12 (Kieselsäure)
12. Calcium sulfuricum D6 (Calciumsulfat)

Diese zwölf ursprünglichen Schüßler-Salze hat Schüßler im Jahr 1895 auf elf reduziert; er schrieb: „Da der schwefelsaure Kalk nicht in die konstante Zusammensetzung des Organismus eingeht, so muss er von der biochemischen Bildfläche verschwinden. Statt seiner kommt Natrium phosphoricum resp. Silicea in Betracht.“

Später wurden von verschiedenen Autoren weitere Mineralstoffe eingeführt, welche heute unter der Bezeichnung „Ergänzungsmittel“ zusammengefasst werden.

Die 15 „Ergänzungsmittel“
1. Kalium arsenicosum D6 (Kaliumarsenit)
2. Kalium bromatum D6 (Kaliumbromid)
3. Kalium jodatum D6 (Kaliumjodid)
4. Lithium chloratum D6 (Lithiumchlorid)
5. Manganum sulfuricum D6 (Mangansulfat)
6. Calcium sulfuratum D6 (Kalziumsulfid)
7. Cuprum arsenicosum D6 (Kupferarsenit)
8. Kalium-Aluminium sulfuricum D6 (Alaun)
9. Zincum chloratum D6 (Zinkchlorid)
10. Calcium carbonicum D6 (Kalziumkarbonat)
11. Natrium bicarbonicum D6 (Natriumbikarbonat)
12. Arsenum jodatum D6 (Arsentrijodid)
13. Aurum Chloratum Natronatum D6 (Aurum)
14. Selenium D6 (Selen)
15. Kalium bichromicum D12 (Kaliumdichromat)

Ergänzende biochemische Mittel nach Joachim Broy
1. Natrium fluoratum D6 (Natriumfluorid)
2. Magnesium fluoratum D6 (Magnesiumfluorid)
3. Calcium chloratum D6 (Calciumchlorid)
4. Ferrum chloratum D6 (Eisenchlorid)
5. Ferrum sulfuricum D3 (Eisenoxydulsulfat)
6. Magnesium chloratum D6 (Magnesiumchlorid)
7. Magnesium sulfuricum D6 (Magnesiumsulfat)

Geschichte der Biochemie nach Schüßler
Schüßler, der bis Anfang der 1870er Jahre der „klassischen“ Homöopathie mehr oder weniger treu geblieben war, wurde nach der Erstveröffentlichung seiner „neuen“ Therapie in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung (1873) heftig von Homöopathen kritisiert, die Verrat an der gemeinsamen Sache witterten. Ein Jahr später veröffentlichte er sein grundlegendes Werk „Eine abgekürzte Therapie gegründet auf Histologie und Cellularpathologie“, das auf knapp 16 Seiten die Grundzüge seiner Lehre enthielt. Dabei grenzte er sich klar von der Homöopathie ab. Im Vorwort zu späteren Auflagen bekannte er sich zu den Einflüssen, die der Physiologe Jakob M. Moleschott und der Pathologe Rudolf Virchow auf seine Theorie hatten. Die heftigen Auseinandersetzungen mit führenden Homöopathen brachten Schüßler 1876 zum Austritt aus dem „Centralverein homöopathischer Ärzte“. Der polemische Schlagabtausch ging jedoch über Jahrzehnte weiter. Die naturwissenschaftliche Medizin nahm dagegen das neue „biochemische“ Verfahren kaum zur Kenntnis. Im Kaiserreich wurde es zwar von den meisten Gesundheitsbehörden im Rahmen der gesetzlich verankerten Kurierfreiheit toleriert, aber nicht gefördert. Dass es im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten alternativmedizinischen Heilverfahren wurde, ist das Verdienst einer rasch wachsenden Laienbewegung. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts existierten schon drei konkurrierende Verbände: der „Verband biochemischer Vereine für das Deutsche Reich“, der „Schüssler-Bund“ und der „Jade-Verband“. Ein Zusammenschluss nannte sich 1922 „Biochemischer Bund Deutschland“. Er hatte 1928 bereits 184.672 Mitglieder und war straff organisiert. 1929 hatte die Bundesgeschäftsstelle 22 hauptamtliche Mitarbeiter. In einem eigenen Verlag in Potsdam erschienen die „Zeitschrift für Biochemie. Volkstümliches Fachorgan für Mineralstofflehre“ mit einer Auflage von über 200.000 Exemplaren sowie zahlreiche Informationsschriften.

Schon in den 1920er Jahren zählte die biochemische Bewegung über 800 ehrenamtliche „Krankenbehandler“. Diese wurden von Ärzten, die in ihnen Kurpfuscher sahen, in nicht wenigen Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung angezeigt. Die meisten Gerichtsverfahren endeten aber mit Freispruch.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Biochemie eine anerkannte Heilweise. Die „Krankenbehandler“, die bislang am Rande der Legalität praktiziert hatten, erhielten den Status von Heilpraktikern. Außerdem konnten erstmals mit staatlicher Billigung und Förderung Untersuchungen durchgeführt werden, in denen die behauptete Wirksamkeit „biochemischer“ Arzneimittel überprüft wurde. Solche Versuche fanden auch in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz statt, unter Leitung des Reichsarztes SS Ernst-Robert Grawitz. Dabei wurden unter anderem künstlich herbeigeführte Fälle von Blutvergiftung und Malaria weitgehend erfolglos behandelt. Für die Häftlinge nahmen diese Experimente in den meisten Fällen einen tödlichen Ausgang.[3]

Der „Biochemische Bund“ geriet nach 1933 mehr und mehr in nationalsozialistisches Fahrwasser. Eine interne Gleichschaltung führte zum Ausschluss unerwünschter, vor allem nichtarischer Mitglieder. Ab 1934 findet man in der Mitgliederzeitschrift die Rubrik „Volk und Rasse“ und an der Spitze der Bundesleitung linientreue Parteigenossen. 1935 erfolgte die zwangsweise Eingliederung in die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise“. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der „Bund“ aufgelöst, aber bereits 1946 neu konstituiert. 1949 gab er wieder eine Mitgliederzeitschrift heraus („Gesundes Volk“, später „Weg zur Gesundheit"), konnte aber nicht wieder an die frühere Bedeutung anknüpfen. Aus einem verbandseigenen Kurhaus, das 1936 in Hahnenklee im Harz den Betrieb aufgenommen hatte, ging später ein „Dr. Schüssler-Sanatorium“ hervor.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Schüßler-Salze - Stand 27.Juli 2007 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Ich bin eine Eroberin!
Ich habe Badezimmer besetzt,
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Männerherzen im Handstreich genommen
und im Schutz der Dunkelheit Kühlschränke überfallen.

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